5 Gründe, warum ich das Reisen so liebe

Als ich begann, diesen Blog-Post zu schreiben, musste ich erst einmal die vielen Gedanken sortieren, die zu diesem Thema in meinem Kopf und in meinem Herzen herumschwirren. Gar nicht so einfach, das in geordnete Bahnen zu lenken. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das Reisen so vieles für mich bedeutet.

„Am Ende meines Lebens möchte ich sagen: Ich habe die Welt gesehen“

Nun habe ich (ungefähr jedenfalls) die Mitte meines Lebens erreicht. Klar – da fragt man sich natürlich, wo man steht und wohin man möchte in seinem Leben. Denke ich nun einmal 10 oder 15 Jahre zurück, waren meine Lebensziele noch andere als heute. Ich wollte erfolgreich sein in meinem Job, (viel) Geld verdienen, ein hübsches Haus, ein schickes Auto … Immer mehr erkenne ich, dass man mit weniger auskommt, als man eigentlich denkt, und dass einen Luxusgüter nicht glücklich(er) machen.

Die Konstante in meinem Leben war aber immer schon die Lust aufs Reisen.

Auch wenn meine Vorlieben und Erwartungen in Bezug darauf gerade in den letzten Jahren ebenfalls eine Wandlung durchmachten.

Ich kann mich noch an meine Grundschulzeit erinnern. Ich beneidete meine Schulkameraden, die nach den Ferien immer erzählten, wie toll es doch im Urlaub auf Mallorca oder wie aufregend die Sommerferien in Afrika waren. Jedes Mal war ich traurig, denn meine Eltern konnten sich keinen Urlaub leisten, da sie gerade ihr schmuckes Häuschen gebaut hatten. Für unseren allerersten Urlaub hatten sie dann einen Wohnwagen auf einem Campingplatz an der Ostsee gemietet. Sie wurden vom Camper-Virus infiziert und kauften einige Zeit später den ersten Wohnwagen, mit dem wir in den Schulferien durch die Lande zogen.

Einige Jahre danach folgte das erste Wohnmobil. Oft waren wir dann den gesamten Sommer in den angrenzenden europäischen Ländern unterwegs.

Mit 16 ging es dann (noch mit Kinderausweis 😉 ) und meinem ersten Freund allein in die Türkei. Sofort war ich fasziniert vom Fliegen und das wohlige Kribbeln im Bauch beim Start ist bis heute geblieben ;-).

Wie sehr ich das Reise-Gen scheinbar in mir trage, spürte ich schmerzlich vor einigen Jahren. Viel Arbeit, wenig Geld und ein kranker Hund machten uns das lieb gewonnene Reisen unmöglich. Nach 8 (!) schier endlos scheinenden Jahren – lediglich unterbrochen von einer wahren UrlaubsKATASTROPHE in der Dominikanischen Republik – merkte ich förmlich, wie ich mit jedem Tag immer unzufriedener wurde. Auch meine Kreativität, die ich dringend in meinem Job brauchte, fehlte mir.

2011 wagten wir es dann erstmals wieder und besuchten für eine Woche die schöne griechische Insel Kreta. Ab da hatte es mich dann wieder vollkommen gepackt und jedes Mal auf dem Heimflug löcherte ich Achim schon mit Fragen, wohin wir denn das nächste Mal verreisen wollen. In meinem Kopf schwirren ständig mehrere Reiseziele gleichzeitig herum. Eine regelrechte Bucket List 🙂

Aber was bedeutet mir das Reisen wirklich? Hier meine Top 5

5. Inspiration

Wie gesagt – als Mediendesignerin arbeite ich in einem kreativen Beruf – aber woher bekomme ich meine Anregungen? Wie schaffe ich es, dauerhaft kreativ zu sein und mir immer wieder Neues für die unterschiedlichsten Kunden auszudenken? Bei immer gleichem Umfeld kommen auch immer wieder die gleichen Ideen. Da braucht es von Zeit zu Zeit frischen Wind und neue Eindrücke, um nach der Reise wieder aus dem Vollen schöpfen zu können und Pixel und Pfade in ein optisch ansprechendes Gewand zu kleiden.

4. Wertschätzung

Was mir auf Reisen immer wieder bewusst wird, ist, dass es uns Europäern, gerade uns Deutschen, wirklich sehr gut geht.

Auf unseren Reisen haben wir so manches Mal auch Armut gesehen. Zum Beispiel Kinder auf Sansibar, denen es an Stiften und Papier für die Schule fehlt und/oder die sich über eine geteilte Orange freuen wie deutsche Kids über ein neues Spiel für ihre Playstation.

Oder Lucas, den wir im gleichen Urlaub in unser Herz schlossen, der, einen Tag nach unserem Kennenlernen, total erstaunt darüber war, dass wir uns noch an seinen Namen erinnerten.

achim-und-lucas

Während unserer 14 Tage auf Sansibar lernten wir ihn besser kennen. Er erzählte uns von seiner Arbeit im Hotel, seinem Leben in Stone Town, seiner Mutter, die auf dem Festland in Tansania lebt und die er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat.

Irgendwann fragten wir ihn, ob wir ihm etwas Gutes tun könnten. Er schaute ganz verlegen aus der Wäsche und traute sich gar nicht, es uns zu verraten. Bis wir aus ihm herauskitzelten, dass er gerne ein Handtuch hätte. In seiner WG hätte er keines und man könne so etwas auch nicht einfach so in einem Laden an der Ecke kaufen. Wir packten ihm anschließend einige Dinge in eine „Christmas Bag“ (wie wir sie nannten) – na ja … das, was man im Urlaub halt so dabeihat. Das Duschgel betrachtete er lange und konnte damit gar nichts anfangen. Er fragte, was das sei und wie man es benutzen müsste, da er nur Seife kannte. So etwas lässt einen als an Konsum-Terror gewöhnten Deutschen doch echt fassungslos zurück.

Er fragte uns auch, wie es in Deutschland denn so sei, und erzählte über die Pläne, die er für sein Leben so hat. Es beeindruckte mich, wie fokussiert und strebsam er war, und ich erzählte ihm, dass deutsche Kids in seinem Alter oft keinen vernünftigen Satz mehr geradeaus sagen (geschweige denn schreiben) könnten, ihnen oft die Perspektive fehlt, sie keine Arbeit fänden (oder wollten), aber immer von dem sozialen Netz aufgefangen und unterstützt würden. Ungläubig sah er mich an und Tränen rollten ihm übers Gesicht. Für jemanden wie ihn, der UNBEDINGT WILL, aber NICHT KANN, müssen das schlimme Worte gewesen sein!

Dennoch sind diese Menschen glücklich. Auch wenn sie wenig haben. Man blickt so oft in fröhlich lächelnde Gesichter und freundliche Augen, wie man sie hier in Deutschland selten sieht. Obwohl wir hier doch alles haben, was wir brauchen. Nur vergessen wir es zu oft!

Solche Erlebnisse bringen mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Erden mich. Machen mich demütig und dankbar für alles, was wir haben, das uns das Leben erleichtert, und für die Möglichkeit, die Welt zu entdecken. Blickt man mal so dreißig oder vierzig Jahre zurück, waren solche Reisen für die meisten Menschen schier unerreichbar.

Zitat: „Reisen macht dich bescheiden. Du siehst, was für einen kleinen Platz du in der Welt einnimmst.“ (Gustave Flaubert)

3. Freiheit

Den Alltag loslassen und einfach einmal frei sein! Ohne die Verpflichtungen, die man zu Hause so hat. Abgabetermine oder Meetings, die Gartenarbeit oder gesellschaftliche/familiäre Verpflichtungen, die man nicht immer gerne erfüllt. Ständig hat man das Gefühl von „müssen“. Auf Reisen hat man die Möglichkeit, jeden Tag neu zu entscheiden, was man tun oder eben auch lassen möchte. Möchte ich heute lieber ausschlafen oder früh raus, um mit frei lebenden Delfinen zu schnorcheln? Möchte ich zum Spanisch-Kurs oder lieber in der Hängematte unter Palmen – vielleicht mit einer frischen Kokosnuss – relaxen?

Man(n) muss sich nicht in Anzüge und enge Krawatten quetschen, nur um irgendeine Norm zu erfüllen. Die Tage in kurzen Hosen und Flip-Flops fühlen sich dagegen doch soooo viel besser an J.

By the way fällt mir da gerade der Pilot des kleinen Wasser-Flugzeugs auf den Malediven wieder ein. Als er das Maschinchen an einer schwimmenden Plattform gelandet hatte, flog die Tür auf und er und sein Co-Pilot sprangen barfuß, in Shorts und mit Sonnenbrille hinaus, um uns einzuladen. Tja – manches Mal genießt man scheinbar auch im Job die grenzenlose Freiheit J.

2. Abenteuer

Raus in die Welt statt hinter den Schreibtisch. Auf Reisen werden wir immer wieder zu kleinen Kindern. Zu Entdeckern. Die mit großen Augen neugierig bislang unbekannte Gefilde erkunden. Das ist doch sooo viel interessanter, als die kostbarsten Wochen des Jahres einzig und allein nur am Hotelpool zu braten und morgens in aller Herrgottsfrühe schon die Liege zu reservieren.

An Grenzen stoßen und diese sowie die damit einhergehenden Ängste zu überwinden, bringt mich so viel weiter – quasi mit Siebenmeilenstiefeln. Mein Leben wird reicher. Mein Weltbild umfangreicher. Was hat es mich doch für eine Überwindung gekostet, auf offener See, 70 km vor der Küste Mexikos, über Bord zu springen und mit Walhaien zu schnorcheln.

walhai-schnorcheln

Oder nach schweißtreibendem Dschungelmarsch in schwindelerregende Höhen auf eine Mayapyramide zu klettern – ohne Netz und doppelten Boden. Aber was war es für ein WAHNSINNS-Gefühl, als ich beides geschafft hatte?? Solche Abenteuer geben mir Kraft und Inspiration für den Alltag zu Hause, verändern die eigene Sicht auf die Dinge und fördern die Kreativität für meinen Job.

Fernab der All-inclusive-Hotelanlagen wartet das Leben. Auf eigene Faust kann man meist so viel mehr erleben und es ergeben sich daraus so viele tolle Augenblicke und Dinge, die man nicht vermutet hätte.

And the Winner is … Trommelwirbel …

1. Erinnerung

„Collect Moments not Things.“ Woran wird man sich später, im Alter, einmal erinnern? Bestimmt nicht daran, dass man gerne so viel Zeit im Büro oder im Stau auf der Autobahn verbracht hat. Unglaubliche 38 (!) Stunden hat der Durchschnitts-Deutsche 2014 im Verkehrs-Chaos vergeudet. Das sind beim Erreichen der Rente über 70 Tage!

Wollen wir uns daran erinnern? Oder daran, wie viel Geld man in einem bestimmten Jahr verdient hat (zumeist für einen Chef, der an dieser Arbeitsleistung ein Vielfaches davon eingestrichen hat?)?

Was doch wirklich zählt, sind die Erinnerungen an die tollen Erlebnisse, die man hatte, und die Menschen, die einem begegnet sind. Auch – und vor allem – auf Reisen. Ich werde mich zum Beispiel bis ans Lebensende daran erinnern, wie ich unverhofft Trauzeugin auf Sansibar wurde und bei dieser Hochzeit Massai-Krieger für das Hochzeitspaar tanzten.

massai-hochzeit

Oder auch daran, dass die liebe Maria (auf dem Foto links – Managerin des „Hong Xing“, Bali) persönlich (!) ein grandioses mehrgängiges und kostenloses (!) Menü für uns zu meinem 40. Geburtstag zauberte, mir sogar eine kleine Torte und ein Geschenk besorgte, zusammen mit uns feierte und es so zu einem unvergesslichen Geburtstag für mich machte!

maria

veganes-menue-geburtstag

Sich mit Locals anzufreunden und ihr Leben kennenzulernen, ist solch eine Bereicherung für mich und mein Leben. Zu erfahren, wie sie die Dinge sehen, und Gegensätze und Gemeinsamkeiten zu ergründen, ist jedes Mal unglaublich spannend für mich und erweitert den eigenen Horizont.

Die Gesundheit und der Besitz kann einem genommen werden. Diese Erinnerungen allerdings kann uns keiner mehr nehmen. Sie werden Achim und mich sowie die vielen tollen Menschen, die wir auf unseren Reisen kennenlernen durften, für immer verbinden!

Du siehst:

Das Reisen ist ein unglaublicher Gewinn für mich. Reisen macht mich reich! Und gerne teile ich diese tollen Momente mit Menschen wie dir! Ich möchte Tipps geben. Neugierig machen. Begeistern.

Was liebst du am Reisen? Was sind deine Top 5? Teile sie gerne mit uns in den Kommentaren …

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2 Kommentare
  • Natascha
    Veröffentlicht 14:04h, 13 April Antworten

    Hallo Silke,
    was für ein toller Artikel! Ich kann mich deinen Ausführungen und den 5 Punkten 100%ig anschließen.
    Ich bin schon immer gerne verreist, aber jetzt, wo ich einen sicheren Job, einen Ehemann und eine eigene Wohnung habe, zieht es mich mehr denn je in die Ferne. Jetzt, wo in meinem Leben sozusagen alles in trockenen Tüchern ist, will ich endlich mal was erleben!
    Deshalb habe ich auch Anfang des Jahres einen veganen Reiseblog gestartet (http://Reise-vegan.de) und Pläne im Winter meine erste größere Alleinreise nach Bali.
    LG
    Natascha

  • Gefa
    Veröffentlicht 15:35h, 28 April Antworten

    Ich finde es echt cool einen veganen Reiseblog zu starten. Da ich selbst vegan lebe finde ich es wirklich toll und leider gibt es solche Seiten viel zu selten! Und bei diesen 5 Punkten stimme ich euch voll und ganz zu! Freiheit, Abendteuer und Inspiration, darum geht es doch einzig und alleine beim Reisen! Toller Beitrag.
    Viele Grüße
    Gefa

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