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Erwachen – Eine unglaubliche Reise

Achim und ich nennen ihn immer unseren Abenteuer-Urlaub. Zwei Wochen der persönlichen Herausforderungen und wahnsinnig intensiven Erfahrungen. Augenblicke in meinem Leben, die ich niemals vergessen werde und die mich sehr geprägt haben! Herausforderungen wie das Erklimmen eines Maya-Tempels, der nach 2 km Wanderung durch den Dschungel in sengender Mittagshitze wie eine Wand auf einer Lichtung emporragte. Er war geradezu Respekt einflößend und ich fragte mich, wie ich diese verdammt buckeligen und teilweise beängstigend kleinen Stufen ohne Geländer nach oben kraxeln sollte. Ich wollte schon aufgeben, weil ich es mir in meinem unfitten Zustand wirklich nicht zutraute und Angst hatte, in der Mitte der Pyramide den Halt zu verlieren und mit dem Rücken voran in die Tiefe zu stürzen. Dann dachte ich mir aber, dass ich nicht zwei Kilometer durch den brütend heißen Dschungel gelatscht bin, um jetzt aufzugeben. Wie ein Mädchen. Noch dazu würde ich vielleicht nie wieder in meinem Leben die Gelegenheit dazu bekommen. Gesagt. Getan. Zwischendurch dachte ich, ich schaff es nicht mehr. Panik erfasste mich. Egal. Weiter. Belohnt wurde ich mit einem unglaublichen Ausblick über den Dschungel und einem wahnsinnigen Gefühl, es geschafft zu haben. Den eigenen Schweinehund überwunden zu haben.

Aber die nächste Herausforderung erwartete mich bereits …

Wir waren mutig und haben die Walhai-Tour gebucht. Von Cancún aus ging es 70 km aufs offene Meer hinaus. Und das zusammen mit Achim – der so gut wie nicht schwimmen konnte – und mir, mit meinem Schnorchel-Trauma (aber das ist eine andere Geschichte). Jedenfalls saß ich die Hälfte der endlosen Bootsfahrt total apathisch mit Maske und Schnorchel da und ergab mich meinem Schicksal J.

Wir kamen an eine Stelle, an der sich sicher um die 30 Walhaie den Bauch mit Plankton vollschlugen. Zwischendrin auch einige Mantarochen, deren „Flügel“ hier und da neben den hübsch gepunkteten Walhaikörpern aus dem Wasser lugten. Was für ein Anblick!

Glaub mir – ich habe mir fast ins Bikini-Höschen gesch… Ganz ehrlich! Egal! Achim und ich sprangen über Bord (zusammen mit einem Guide – vorsichtshalber). In dem Moment, als ich den Kopf unter Wasser tauchte, hatte ich mein Trauma komplett vergessen!!! Wir waren kaum im Wasser, als uns der Guide an unseren Schwimmwesten in eine andere Richtung zerrte. Ich hörte unter Wasser dumpf, wie er komplett ausrastete. „Oh my God. Oh my God. Look at that. Do you see THAT???“ Ich starrte in die Richtung, in die er uns positioniert hatte, und erkannte erst mal gar nichts. Aber DANN!!! Ein Walhai kam genau auf uns zugeschwommen und riss sein Maul auf, um sich eine neue Ladung Plankton einzuverleiben. IRRE! Ein Maul mit locker 1,5 Meter Durchmesser starrte uns an. Das Herz blieb mir stehen und ich war regungslos. Langsam schwebte der Walhai auf uns zu. Bevor er uns erreichte, machte er in einer Armlänge Abstand einen Bogen um uns und glitt an uns vorbei. Er war soooo nah, dass man die kleinen Fische deutlich erkennen konnte, die in seinen Kiemen mitschwammen. Und diese hübschen weißen Punkte auf seinem riesigen Köper, der in etwa die Größe eines Linienbusses hatte J.

Wieder an Bord überkam mich, glaub ich, ein mächtiger Adrenalinstoß. Ich zitterte überall und musste erst einmal die „Fische füttern“, als die Aufregung nachließ. Ich war so geflasht, dass ich es nicht schaffte, ein zweites Mal ins Wasser zu gehen. Das war aber nicht schlimm, da ich in geringer Entfernung zum Boot einen Manta dabei beobachten konnte, wie er gut einen Meter aus dem Meer sprang. Wusste bis dahin gar nicht, dass die das können …

Hey Dude …

Mit meinem frisch überwundenen Schnorchel-Trauma ging es dann, einige Tage später, mit dem Collectivo (Einheimischen-Bus) zur Turtle Beach. Schwimmen und Schnorcheln mit frei lebenden Schildkröten.

Am Strand wurden wir von einem Guide angesprochen, der mit uns durch die Bucht schwimmen wollte, um uns die besten Plätze zu zeigen. Allerdings nicht ohne uns vorher ein Video zu zeigen, wie man sich genau verhalten und worauf man beim Schnorcheln achten sollte, um nichts an Korallen etc. zu beschädigen. Das fanden wir wirklich sehr vorbildlich. Generell wurde überall sehr auf den Schutz der Tiere geachtet (auch bei der Walhai-Tour)! Man hat gar keine Vorstellung, wie riesig so eine Schildkröte in Wirklichkeit ist! Das Schaubild hier zeigt die Schildkröten in Original-Größe (vergleiche dazu den Lichtschalter oder die Topfpflanze!).

Es hatte irgendwie so etwas Friedliches, wie sie gemütlich über den Sandgrund watschelten und das Seegras futterten. In diesem Moment war die Welt echt in Ordnung. Ein irrer Moment, wie eine der Schildkröten gleich neben uns auftauchte, um Luft zu schnappen. Ein Augenblick, in dem es mir ähnlich ging …

Wake-Up-Call

Fast zum Schluss unserer Reise besuchten wir ein Delfinarium. JA! ICH WEISS … Ich höre deinen Aufschrei. Wie gesagt … ich war zu der Zeit noch ein „blinder Mensch“. Aber das war der Zeitpunkt meines langsamen Erwachens. Der Moment „am Abgrund“, an dem man sich dazu entscheidet, die Augen zu öffnen und die Richtung zu ändern. Heute denke ich, dass jeder Mensch diesen Weckruf braucht.

Zumindest hatten wir, in unserer damaligen Ignoranz, darauf geachtet, das es keine Seaworld-Kopie mit Glaswänden und Betonbecken ist. Es war eine abgeteilte, ursprünglich natürliche Bucht. Aber ja – abgeteilt. Mit Delfinen in Gefangenschaft! Diese Tiere haben mich wahnsinnig beeindruckt und tief in meinem Herzen berührt. Nicht wegen der eintrainierten Kunststücke, die sie uns zeigten und auch gemeinsam mit uns machten.

Ich sah diese zauberhaften Geschöpfe zum ersten Mal aus nächster Nähe, als sie zwischen uns hindurchschwammen. Berührte sie zum ersten Mal und war erstaunt, dass sich ihre Haut ein bisschen anfühlte wie eine nasse Luftmatratze ;-).

Interessant. Unerwartet. Neu …

Mein WACH-AUF-MOMENT kam erst nach der Show. Wie immer trödelte ich herum und die Gruppe, mit der wir zusammen im Wasser waren, war schon weg – natürlich. Achim und ich hingen hinterher und schauten uns noch ein wenig um. Wir waren ganz allein. Kein Mensch war da – nur wir beide. Plötzlich kamen zwei Delfine langsam auf uns zugeschwommen. Wir blieben am Steg stehen, bis die Delfine uns erreicht hatten. Langsam legten sie sich auf die Seite, schauten uns an und reckten ihre Flossen aus dem Wasser. Mir stockte der Atem. Ich nahm Achims Hand und flüsterte: „Ich glaube, das ist der schönste Moment in meinem Leben!“ Damals konnte ich noch nicht ahnen, was genau dieser Augenblick in mir ausgelöst hatte. Ganz tief in meiner Seele. Und genau das war mein ganz persönlicher Schubser.

 

Was ich mit dieser langen Geschichte sagen möchte, ist:

JEDER kann in seinem Leben Ängste überwinden. Ängste vor etwas Unbekanntem, etwas Neuem. Und an der Überschreitung dieser Grenze unglaublich wachsen.

AUCH DU KANNST DAS!!!

Vielleicht hast du deinen eigenen Schubser schon erlebt (berichte uns gern davon in den Kommentaren). Oder vielleicht hast du deinen Schubser noch gar nicht bewusst wahrgenommen? Vielleicht liest du deshalb gerade diese Zeilen hier …

Wenn du wissen möchtest, wie sich mein Leben nach dieser Reise komplett veränderte, lies hier weiter …

 

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