Vegan werden – eine Entscheidung, die mein Leben veränderte. Komplett!

Gerade war es mal wieder so weit … ein Schockmoment. Einer, der mir schlagartig vor Augen geführt hat, WARUM ich vegan bin. Kein ich-esse-wenig-Fleisch-Typ, kein Vegetarier, sondern – NEIN – Veganer.

Gerade also sitze ich hier an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. In unserem ca. 1500-Seelendorf passiert in der Regel zu dieser Tageszeit nicht wirklich viel auf der Straße. Mir fallen zwei riesige feuerrote LKWs auf mit jeweils einem Anhänger. Irgendwie sieht es nach Tiertransorter aus. Ich stehe auf und schaue genauer hin. Und ja – es sind Tiertransporter!

Ich bin selten auf der Autobahn unterwegs. Und wenn ich dann mal solch einen Transporter sehe, trifft es mich jedes Mal wie der Blitz und mein Herz krampft sich zusammen. Oft muss ich dann mit den Tränen kämpfen.

So wie jetzt! Denn anders als auf der Autobahn habe ich nun freie Sicht, während die beiden Transporter langsam an meinem Fenster vorbeirollen. Ich erkenne, dass die Transporter innen sogar zweistöckig sind. Drinnen stehen massenhaft kleine Kälbchen, die ihre rosa Nasen aus den winzigen Schlitzen recken. Ein Anblick, der mich fassungslos macht ob des Schicksals, welches diesen kleinen Wesen nun wohl bevorsteht. Eine Träne kullert mir übers Gesicht.

 

Ja genau!
Aus DIESEM Grund bin ich vegan geworden!

Nicht weil ich hip sein wollte. Nicht weil ich abnehmen wollte. Nicht wegen meiner eigenen Gesundheit. Sondern wegen dieser kleinen Seelen, die jedes Jahr milliardenfach für unser aller Genuss leiden und sterben müssen.

Heute bin ich schockiert darüber, wie ich sooo lange meine Augen verschließen konnte. Immer schon liebte ich Tiere. Aber was um Himmels willen war es, das mich die Zusammenhänge nicht verstehen ließ? Warum zur Hölle war ich sooo ignorant???

Heute denke ich, dass selbst der tierliebste Mensch einen Weckruf benötigt. Einen Schubser. Einen Arschtritt!!!

Vielleicht bist auch du gerade eben an diesem Wendepunkt in deinem Leben?!

Und glaube mir. Es WIRD ein Wendepunkt sein!!!

Gerne „nehme ich dich an die Hand“ und berichte dir von meinen Erfahrungen, die ich in meinen bisher ca. 2 ½ Jahren als Veganerin gemacht habe. Außer unserer Heirat war dies die tief reichendste Entscheidung meines Lebens! Niemals hätte ich gedacht, dass ein kleiner Gedanke, ein Entschluss, so weitreichende Folgen für mein Leben, meine Beziehung, meine Sichtweise, mein Umfeld und all das andere, das meinen eigenen kleinen Kosmos betrifft, hätte.

 

Wendepunkt

Ich denke, alles begann während unseres Urlaubs 2013 in Mexiko …

Zurück in den alten Trott?

Als wir wieder daheim waren, merkte ich, dass sich irgendetwas verändert hatte. Ganz greifen konnte ich es allerdings noch nicht. Ich fand mich schwer wieder im Alltag zurecht und mir fiel es schwer, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. ICH hatte mich verändert!

Beim Surfen entdeckte ich zufällig das Video des kleinen Luiz. Dieser kleine Mann hat mich so beeindruckt! Er hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie man als Kind denkt, ohne dass man diese lebenslange Manipulation miterlebt hat, von glücklichen Milka-Kühen auf grünen Wiesen und der freundlichen Fleischerei-Fachverkäuferin, die einem als Kind, mit einem Lächeln im Gesicht, die Scheibe Bärchen-Fleischwurst über die Theke reicht.

Einfach. Klar. Unverfälscht.

Als Achim am Abend nach Hause kam, sprach ich zum ersten Mal an, dass ich überlege, zukünftig kein Fleisch mehr zu essen. Nie werde ich sein Gesicht vergessen. Dieser fragende Blick und sein Satz:

„Aus mir wirst du nie einen richtigen VEGETARIER machen.“

Der letzte Rest, die kalte Dusche fehlte mir noch, um mich endgültig aus meinem Dornröschenschlaf zu reißen …

 

Der Arschtritt

Diesen habe ich unserem lieben Freund Daniel zu verdanken J. Er lernte am „Elften im Elften“ eine Veganerin in Köln kennen. Ich wunderte mich, dass er fortan nur noch krasse Bilder bei facebook postete. Ich erinnere mich noch – eines zeigte ihn mit einem Schild samt „fiesem Fleischfresser“-Spruch vor dem „Restaurant zum goldenen Bogen“. Ich bin ehrlich – zu diesem Zeitpunkt fand ich das noch lustig und fragte mich: Du lieber Himmel … was ist denn mit dem auf einmal los??

Dann kam der Tag, an dem ich das nicht mehr lustig fand. Er teilte ein Bild von einer Frau, die in einem überfüllten Schweinestall steht. Sie hält die Schnauze eines Schweins in der Hand und setzt das Messer an seiner Kehle zum Schnitt an. Sie lächelt dabei in ihrer blutverschmierten Schürze …

B Ä H M – ARSCH.TRITT …

Dieses Bild hat mich tagelang verfolgt. Nachts träumte ich davon. Ich wurde es einfach nicht mehr los. Mit einem Schlag strömten die Eindrücke auf mich ein. Und zwar ALLE Eindrücke! Alle, die ich in den 37 Jahren zuvor so erfolgreich verdrängt hatte. Ich fühlte mich wie ein Blinder, der plötzlich, nach einem ganzen Leben in Dunkelheit, sein Augenlicht erhält, nachdem jemand einen Knopf gedrückt hat.

Danke, Daniel!

 

Silke – die Vegetarierin – war also geboren.
Doch lange gab es sie nicht …

Als selbstständig Tätige begann ich jeden Arbeitstag mit einem leckeren Caramel Latte Macchiato und den Neuigkeiten bei facebook. Beim Scrollen durch die News auf meiner Chronik fiel mir das Video „Find-das-Muh“ auf. Es ist angelehnt an die Müller Milch-Kampagne „findE das Muh“ und zeigt, sehr einfühlsam erzählt, die Missstände in der Milchindustrie auf. Das Video hat mich sehr berührt. So sehr, dass ich nicht mal in der Lage war, meinen „leckeren“ Caramel Latte Macchiato leer zu trinken. Du kannst dir das Video ruhig anschauen. Keine Angst – es ist keiner dieser Schock-Filme!

Wenn dich interessiert, welche Videos, Filme und Dokus uns darüber hinaus noch bestärkt haben, unseren Weg weiterzuverfolgen, dann schau hier.

Ich bin ein Dorfkind. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. In einem 1500-Seelen-Kaff. Eingebettet ins bergische Land mit vielen Wiesen und Wäldern.

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Dachte ich. Wir haben einen großen Milchbauern um die Ecke (wahrscheinlich der, von dem die Kälbchen abtransportiert wurden – von denen ich eingangs berichtete). Und als Landei war mir nicht bewusst, wie es so in der Milchindustrie zugeht. Dass Kälber ihren Müttern entrissen werden – oft schon wenige Stunden (im besten Fall Tage) nach der Geburt. Tagelang „rufen“ die Mütter nach ihren Babys. Dass Kühe oftmals trächtig geschlachtet werden, wenn ihre Milchleistung nachlässt, und die ungeborenen Kälber jämmerlich in dem sterbenden Körper ihrer Mütter ersticken. Und so weiter. Und so fort. Die Liste lässt sich schier endlos fortsetzen.

Erschreckend, was die Werbeindustrie uns allen für Scheuklappen aufsetzt. Wir sind so drin im Konsumwahn, dass uns diese Dinge gar nicht mehr erreichen. Sie prallen an uns ab – so als würden sie gar nicht geschehen. Ist das nicht traurig?

 

Wenn du bis hierher gelesen hast,
dann wahrscheinlich nicht ohne Grund!

Vielleicht bist du auch an diesem Punkt, an dem ich damals war. Vielleicht geht es dir wie mir damals, als ich – ehrlich gesagt – schon ein wenig Angst hatte. Angst vor der eigenen Veränderung. Angst vor der Reaktion meines Umfeldes …

Heute bin ich dankbar, dass ich diesen Schritt, diesen Entwicklungsprozess, nicht alleine machen musste. Ich hatte jemanden an meiner Seite, der hinter mir und meiner Entscheidung stand. Mich unterstützt hat. Mehr noch … Er hat sie 100%ig mitgetragen. Völlig unerwartet. Danke, „Hase“ 🙂

 

Vielleicht brauchst auch du jemanden,
der dir zur Seite steht.

Dich an dem Punkt abholt, an dem du gerade bist.

Aus diesem Bedürfnis heraus, Hilfestellung zu geben, ist die Idee zu diesem Blog entstanden. Wir möchten dich gerne dazu einladen und dir Tipps geben, wie du dein (neues) veganes Leben einfacher meistern kannst. Wir berichten über unsere Entwicklung, die Dinge, die uns weitergeholfen haben, und jede Menge mehr.

Welche Hürden begegnen dir auf deinem Weg? Schreib sie in die Kommentare …

 

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2 Comments
  • Nikolai Weidner
    Posted at 08:52h, 02 April Antworten

    Schöner Artikel.
    Ich kann voll und ganz zu stimmen, dass die Entscheidung vegan zu leben mehr als nur die Ernährung betrifft. In einem sehr positiven Sinn.
    Ich habe seit dem mal mir wirklich Gedanken um mein Essen gemacht. Nicht einfach hineinstopfen und ende.
    Auch der Aspekt Umweltschutz, Tierrechteund co ist nicht mehr zu übersehen…jedoch oft unter den Teppich gekehrt.
    Vegane Ernährung bereicht mein Leben sehr und es macht mir unglaublich viel Spaß gesund und nachhaltig zu leben!
    Hole dir deinen persönlichen Arschritt in ein neues, bessere und veganes Leben!
    Make a vegan change!

  • Alexandra Krajniak
    Posted at 19:57h, 19 Mai Antworten

    Hallo Silke

    Meine Entscheidung vegan zu leben, war ein schleichender Prozess – ähnlich wie bei dir. Ich bin zwar in einer Kleinstadt aufgewachsen, hatte aber Kontakte zu mehreren Bauernhöfe. Meine Kindheitserinnerungen sind noch relativ gut, die Kälbchen durften bei ihren Müttern bleiben, wie lange, weiß ich allerdings nicht mehr. Die Kühe wurden von Hand gemolken, die Milchmengen, die es später geben musste, waren noch kein Thema. Auch Schlachtungen habe ich erlebt, mir aber durch Erziehung und Gewöhnung noch keine Gedanken gemacht.

    Später Umzug nach Berlin, die ersten Massentierhaltungen, Viehtransporte mit weinenden Kühen etc. Das alles brachte mich dazu, mich intensiver – zunächst durch Bücher, dann überwiegend durchs Netz zu informieren. Der Bericht einer angehenden Tierärztin hat mich dermaßen erschüttert, das ich mich vor Fleisch ekelte und es nie wieder essen könnte.

    Meine Umwelt bringt mir etwas Verständnis entgegen, viele verstehen aber meine Beweggründe nicht, sie halten es für eine Erscheinung, die wieder vergeht. Ich weiß aber, das ich mich durch die vegane Lebensweise körperlich fitter fühle, das Sodbrennen, das mich häufiger plagte ist komplett verschwunden, ebenso die bleierne Müdigkeit nach einer Mahlzeit. Zudem habe ich ein besseres Gewissen, denn ich liebte immer schon Tiere, hatte jahrelang Katzen, Meerschweinchen, Hamster und Fische. Alle diese Tiere hatten ein gutes Zuhause bei mir; Kühe, Schweine, Hühner oder Puten landeten dagegen auf meinem Teller, absolut verrückt!

    LG Alexandra

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